Familientherapie

„Über Probleme reden erzeugt Probleme, über Lösungen reden erzeugt Lösungen.“
– Steve de Shazer

Symphonieorchester

Eine Familie kann gesehen werden, wie ein Orchester. Ein Orchester besteht aus verschiedenen Instrumenten, die zusammen harmonieren oder dissonieren können. Jedes Instrument hat seinen eigenen Klang, seine eigene Stimme.
Die Familienmitglieder sind wie die Instrumente, die ihre eigenen Persönlichkeiten, Bedürfnisse und Gefühle haben. Sie können sich gegenseitig unterstützen oder stören, je nachdem wie sie miteinander kommunizieren und interagieren.

Die Emotionen sind wie die Melodien, die die Stimmung und die Atmosphäre des Orchesters bestimmen. Die Verhaltensweisen sind wie die Rhythmen, die das Tempo und die Dynamik beeinflussen. Wenn die Instrumente gut aufeinander abgestimmt sind, entsteht eine schöne Symphonie. Sind sie es nicht, entsteht ein schriller Lärm.

Die Wechselwirkungen unter Familienmitgliedern, sind also wie die zwischen Instrumenten in einem Orchester. Sie können Harmonie oder Disharmonie erzeugen, je nachdem, wie sie zusammenspielen.

Der Prozess

In der Familientherapie geht es zunächst darum, dass alle Beteiligten gehört werden und ein respektvoller Raum entsteht, um Miteinander ins Gespräch zu kommen. Für die Betrachtung Ihrer familiären Situation eignen sich unter anderem Methoden, die weniger auf der verbalen Ebene stattfinden. Bekannt sind beispielsweise Aufstellungen und szenische Arbeiten, in denen Sie zu Perspektivwechseln angeregt werden. 
Systemisch betrachten wir also mit freundlicher Neugierde, wofür das aktuelle Problem in Ihrer Familie gebraucht wird, oder welchen Zweck es erfüllt.

Von da aus können wir uns weg von der ausschließlichen Betrachtung des Problems bewegen und die Lösung ins Auge fassen. 

Von der Schuld und der Entschuldigung 

In der Systemtheorie ist von einem sogenannten Symptomträger die Rede. Gemeint ist, dass eine Person, der ein Symptom zugeschrieben wird, nicht einzeln betrachtet werden sollte. Vielmehr übernimmt diese Person eine wichtige Rolle für die Familie, in dem sie auf auffällige Art und Weise auf etwas aufmerksam macht. Sie "trägt" das Symptom.
Das könnte beispielsweise ein Mangel an erfüllten Bedürfnissen einzelner Familienmitglieder sein.

Natürlich sind Verhaltensauffälligkeiten für die Betroffenen, sowie das Umfeld, Auslöser für enormen Stress und Leid. Scheinbar erfüllen sie jedoch eine wichtige Funktion, sodass sie trotzdem auftreten und manchmal auch über längere Zeit bestehen bleiben. 
Im Alltag resultieren daraus möglicherweise Anpassungen der einzelnen Familienmitglieder, die mit hohem Konfliktpotential und explosiver Kommunikation einhergehen können. 
Auch unerfüllte Bedürfnisse aus dem Kind- und Jugendalter können noch Jahre später Konflikte zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern verursachen.

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